Es geht um jeden einzelnen
Ihre Spende kann ein Schicksal in ein besseres Leben verwandeln. Hier erzählen wir Ihnen von einigen unserer philippinischen Stipendiat*innen. (Alle Namen wurden von uns geändert.)
Vincent Ballero, 19 Jahre, Elektrotechnik in Punta Princesa
Vincent stammt aus einer zehnköpfigen Familie. Die Eltern sind im Alter von 57 und 62 Jahren verstorben. Vier Brüder und drei Schwestern sind verheiratet, haben aber alle kein eigenes Einkommen. Ein weiterer Bruder, James (21 Jahre), verdient als Fabrikarbeiter 200 Pesos (ca. 3,50 Euro) pro Tag.
Vincent und James leben in einer eigenen Holzhütte auf gepachtetem Grundstück. Die Hütte hat einen Stromanschluss, der 800 Pesos (ca. 14 Euro) pro Monat kostet. Wasser müssen sie eimerweise heranschaffen.
Nach der Entlassung aus der Fabrik besuchte Vincent kurzzeitig ein College. Das wenige Geld, das Vincent hatte sparen können, reichte aber noch nicht einmal bis zur Zwischenprüfung. Sein Bruder (Visaya: kuya) James verdient gerade genug, um den eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren.
Vincent konnte schließlich von seiner erweiterten Verwandtschaft etwas Geld erbetteln, um sich im Don Bosco Training Center in Punta Princesa für Elektrotechnik einzuschreiben. Für die komplette Ausbildung reichte es aber nicht.
Vincent erhielt ein Stipendium von GGAP e.V. und hat seine Ausbildung inzwischen erfolgreich abgeschlossen.
Renata Ramos, 20 Jahre, Buchhaltung in Minglanilla (Cebu)
Renata kennt ihre Eltern nicht. Seit sie sich erinnern kann, hat sie in Kinderheimen gelebt. Vor etwa 5-6 Jahren ist sie mit einer Freundin dort abgehauen und die beiden haben sich in Cebu-City auf der Straße durchgeschlagen, bis ihnen eines Tages ein älterer Mann Essen und Unterkunft anbot, wenn sie in einem Hotel auf Mactan Island für ihn arbeiten würden. Das war der Beginn einer langen Karriere als minderjährige Prostituierte in diesem und anderen Etablissements, wo sie von reichen Einheimischen und Ausländern – z.T. unter Drogen gesetzt – missbraucht wurde. Den Kontakt zu ihrer Freundin verlor sie schon nach wenigen Wochen. Danach war sie komplett von den Zuhältern abhängig.
Erst nach einer Razzia wurde sie befreit. Mit Hilfe von IJM (International Justice Mission) konnte sie einen Weg der Rehabilitation einschlagen und bekam durch Franziskaner*innen vor Ort eine Pychotherapie und Aufarbeitung des Geschehenen. Anschließend kam sie nach MOH-TIW (Mary our Help – Technical Institute for Women) in Minglanilla, wo sie zunächst 2 Schuljahre an der assoziierten Sekundarschule nachholen musste. Anschließend konnte sie mit einem Stipendium von GGAP e.V. eine Ausbildung als Buchhalterin machen. Nach einem Jahr Praxis und 6 Monaten On-the-Job-Training konnte sie graduieren und wurde an ihrem Ausbildungsplatz übernommen. Mit viel Ehrgeiz ergriff sie die ihr gebotenen Gelegenheiten und hat sich inzwischen zur rechten Hand ihrer Chefin in einer kleinen Logistikfirma hochgearbeitet.
Jerry Tomarate, 18 Jahre, Kfz-Mechanik in Pasil
Die Geschichte von Jerry Tomarate ist ein Beispiel dafür, wie man durch eine Verbesserung der Lebensumstände nachhaltig helfen kann.
Jerry ist schon mit 15 Jahren das „Familienoberhaupt“ und verantwortlich für seine 14 und 12 Jahre alten Schwestern und einen erst einjährigen Halbbruder. Der Vater ist an dem hier verbreiteten „Toxic Goiter“ vor 4 Jahren verstorben. Die Mutter verließ nach dem Tod des Mannes ihre Kinder, um mit einem anderen Mann zusammenzuziehen. Jerry hat sich in dieser Situation durch die Highschool gequält und seine zwei Schwestern durch Gelegenheitsjobs ernährt. Etwas Hilfe und Reis erhielten sie vom Onkel und der Oma. Einen vor einem Jahr geborenen Halbbruder lieferte die Mutter ebenfalls bei ihren drei Kindern ab und verließ die Familie erneut. Niemand weiß, wo sie gerade ist und ob sie jemals wiederkommt. Onkel und Oma, die gegen dieses nicht mit ihnen verwandte Baby sind, haben daraufhin die Unterstützung eingestellt.
Jerry verdient durch Gelegenheitsjobs und Arbeit in einer Großküche etwas Geld und hofft, trotz allem seinen Abschluss machen zu können. Um das zu ermöglichen, gehen seine Geschwister nicht mehr in die Schule und kümmern sich morgens bzw. abends um den einjährigen Halbbruder, der nur „Milo“ (Kakao) zu sich nimmt und anderes verweigere. Das Haus der Familie hat nur ein Zimmer, es ist ein Schuppen ohne fließendes Wasser und ohne Elektrizität, die für die Familie zu teuer ist. Auf Rückfrage des GGAP e.V., ob Jerry nicht in Versuchung gekommen sei, über Drogen, Stehlen oder andere kriminelle Wege leichter an Geld zu kommen, meinte er, dass er weiterhin optimistisch und positiv sein wolle und das nicht in Frage käme.
Jerry erhielt vom GGAP e.V. 3000 Pesos (ca. 60 Euro) Soforthilfe in bar, damit er seinem kleinen Halbbruder eine nahrhafte Säuglingsmilch kaufen könne. Das Geld mochte er im ersten Augenblick gar nicht annehmen, da er fürchtete, die Mutter würde es ihm wegnehmen. Über eine Kontaktperson in Pasil vermittelte der GGAP e.V. eine Vorstellung in einer kinderärztlichen Sprechstunde. Außerdem wurde veranlasst, dass der kleine Halbbruder in ein stationäres „Feeding Programme“ aufgenommen wurde. Dem Jungen geht es seither deutlich besser, und Jerry und seine beiden Schwestern konnten sich in der Folge auf ihre Schul- und Berufsausbildungen konzentrieren. Inzwischen ist Jerry KFZ-Mechaniker und bei einer Firma angestellt.
Dan Dante, 25 Jahre, Schweißen in Balamban
Dan lebt mit seinen Eltern und 12 Geschwistern in einfachsten Verhältnissen. Die Eltern sind arbeitslos, nur zwei seiner Geschwister haben ein Einkommen. Dan hat sich einige Jahre mit Gelegenheitsjobs und Aushilfstätigkeiten etwas Geld verdient.
Um eine berufliche Perspektive zu bekommen, hatte Dan sich schon einmal im Don Bosco Training Center eingeschrieben, die Ausbildung aus Geldmangel dann aber schon nach der Orientierungsphase abgebrochen.
Mit einem Stipendium vom GGAP e.V. hat Dan seine Ausbildung zum Schweißer im zweiten Anlauf erfolgreich abschließen können. Inzwischen ist er als Schweißer angestellt bei der „Aboitiz Construction Group Inc.“ in Arpili, Balamban.
Deborah Centavo, 19 Jahre, Maschinenbau in Mati
Deborah ist eine der wenigen Frauen, die sich für eine Berufsausbildung anmelden. Sie lebt im ländlichen Mati. Der Vater hat als Farmarbeiter das einzige geregelte Einkommen der Familie mit sieben Kindern und zwei Enkelkindern.
Die Familie lebt in einem einfachen Haus. Sie haben einen Stromanschluss, der sie im Monat 300 Pesos (ca. 5 Euro) kostet. Wasser gibt es aus einem zentralen Wasserhahn im Dorf (Visaya: barangay).
Deborah konnte mangels Geld ihre Schulausbildung nicht im ersten Anlauf abschließen, schaffte dann aber auf dem alternativen Weg das Examen, das sie für eine Berufsausbildung am Don Bosco Training Center qualifiziert. Dafür kann sie allerdings nicht auf die finanzielle Unterstützung der Familie hoffen.
Mit einem Stipendium vom GGAP e.V. wurde Deborah als Maschinenbauerin ausgebildet. Die begabte und fleißige junge Frau schloss daran noch eine Ausbildung in Automechanik an. Inzwischen ist sie bei der Firma „DECO Machine Shop Inc.“ in Davao angestellt.
Jericho Dela Cruz, 28 Jahre, Schweißerei in Liloan (Cebu)
Jericho hatte kein leichtes Leben. Seine Mutter starb bei Geburt des jüngeren Bruders, der sie auch nur um 3 Wochen überlebte. Jerichos Vater war seitdem jeden Abend betrunken und verprügelte Jericho oft. Als er 7 Jahre alt war, wachte der Vater aus einem Rausch nicht mehr auf und Jericho wuchs bei einer Tante und deren großer Familie auf, wo er sich zu den vielen Cousins und Cousinen aber zurückgesetzt und als Last erlebte. Mit 14 brach er die Schule ab. Freunde überzeugten ihn, dass mit Drogenhandel leichtes Geld zu machen sei. Es begann mit Drogenhandel, aber auch Erpressung, Zuhälterei und Raubüberfälle gehörten zunehmend zu seinen Aufgaben für „den Boss“. Nach 10 Jahren krimineller Karriere wurde er gefasst und zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Dieses war komplett überfüllt, es herrschte das Recht des Stärkeren und die Clan-Strukturen bestanden weiter. Für Jericho war die Zeit im Knast wie eine Zäsur. Erstmals kam er dazu, über sein Leben nachzudenken. Er fiel durch gute Führung auf und wurde nach 3 Jahren für ein auf den Philippinen bisher einmaliges Programm nach südamerikanischem Vorbild ausgewählt. Er sollte in das sog. Magone-Haus des Don-Bosco-Zentrums in Liloan einziehen. Das ist eine Wohngruppe für ehemals straffällige Jugendlichen, die hier gemeinsam leben, Grundkenntnisse des sozialen Miteinanders erstmalig oder wieder erlernen, versäumte Schuljahre nachholen und anschließend einen Beruf erlernen, von dem sie leben können und der einen Rückfall in die Kriminalität verhindern soll. Dabei werden sie von Berufsschullehrer*innen, Psycholog*innen, Pädagog*innen, Sozialarbeiter*innen, Priestern und Ordensleuten begleitet.
Jericho begann die Ausbildung zum Schweißer. Voller Eifer ergriff er die Chance, sein Leben zu ändern, angespornt von dem Gefühl, hier an einem Ort zu sein, wo er angenommen und unterstützt wird, so wie er ist. Mit der Theorie hatte er aufgrund seiner abgebrochenen und lange zurückliegenden Schule etwas Schwierigkeiten, aber praktisch zeigte er großes Talent. Nach der Ausbildung und On-the-Job-Training im Hafen bekam er eine feste Anstellung in einer Schiffswartungsfirma am Hafen.
Leider wurde dieses einmalige Programm in Liloan inzwischen eingestellt, da sich die Geldgeber aus Europa zurückgezogen haben und nun „näherliegende“ Projekte in der Ukraine und im nahen Osten unterstützen.
Dolores Lopez, 19 Jahre, Tischlerei in Dumangas (Panay)
Dolores kommt von der Insel Guimaras, wo ihre Familie weiterhin lebt. Der Vater ist vor 3 Jahren von einer nächtlichen Fischfangfahrt nicht wieder zurückgekehrt. 2 ältere Brüder, inzwischen 22 und 20 Jahre alt, mussten damals von einem Tag auf den anderen seine Arbeit übernehmen, um die Familie zu ernähren. Dolores ist das älteste Mädchen der Familie, sie hat außerdem noch 2 kleinere Brüder und 4 kleine Schwestern. Die 38-jährige Mutter hat nie einen Beruf erlernt und sich immer um die Kinder gekümmert. Neben Dolores, ihrer Mutter und den 8 Geschwistern wohnen noch ihre blinde Oma und 3 junge Cousins im Vorschulalter bei ihnen. Deren alleinerziehende Mutter, eine Schwester von Dolores Mutter, arbeitet als Haushaltshilfe in Saudi-Arabien. Nur alle 2 Jahre bekommt sie ihren Pass von der versorgten Familie, um die eigene Familie zu besuchen. Alles Geld, das sie verdient, schickt sie nach Hause nach Guimaras, davon werden ihre eigenen 3 Kinder und zum Teil auch die große Familie von Dolores versorgt. Eigentlich wird Dolores zur Unterstützung der Mutter dringend zu Hause benötigt, aber ihre Lehrerin von der kleinen Dorfschule hat der Mutter erklärt, wie wichtig es ist, dass Dolores, die mit Abstand Klassenbeste, mehr aus ihrem Leben und ihren Begabungen macht und dass sie mit einem erlernten Beruf die Familie anschließend viel besser unterstützen kann. Der Gemeindepfarrer hat die Verbindung mit den Salesianern in Dumangas auf Panay hergestellt. Dort erfuhr sie, dass sie nichts für die Ausbildung bezahlen muss, da GGAP e.V. die Ausbildungskosten übernimmt. Sie kann kostenlos im Internat des Don-Bosco-Centers wohnen und wird dort auch mit Essen versorgt. Für zusätzliche Bedürfnisse kann sie auf dem großen Gelände ein eigenes Feld bestellen oder Fischzucht in einem der Fischzuchtteiche betreiben und sich auf diese Weise ein Zubrot verdienen.
Dolores hat inzwischen ihre 12-monatige Ausbildung zur Tischlerin abgeschlossen, und ein halbjähriges On-the-Job-Training in der auf halben Weg zwischen Guimaras und Dumangas liegenden Großstadt Ilo-Ilo absolviert. Die Möbeltischlerei, in der sie tätig war, war so zufrieden mit ihr, dass sie anschließend dort übernommen wurde und inzwischen einen guten Stand im überwiegend aus Männern bestehenden Team hat. Sie hat ein kleines Zimmer in Ilo-Ilo. Kürzlich sind zwei ihrer Geschwister zu ihr gezogen, die in Ilo-Ilo eine höhere Schule besuchen und die sie mit ihrem Gehalt bei ihrer Ausbildung mit unterstützen kann. Das Geld, das übrig bleibt, schickt sie an ihre Mutter.

