
Mati City
Mindanao
Mati City wurde 1861 als spanischer Militärposten in Südwest-Mindanao gegründet und ist eine Kleinstadt mit dörflichem Charakter und großem ländlichen Einzugsgebiet. Die Provinz Davao Oriental ist ein eher dünn besiedeltes Gebiet, eher noch an der Küste und zunehmend sporadisch im bergigen Hinterland in dem noch v.a. einheimische Urbevölkerung lebt. Neben den seit Anfang des 20. Jahrhunderts von den US-Amerikaner*innen angelockten christlichen Siedler*innen aus den Zentralphilippinen/Visayas (< 70%) und den Ureinwohner*innen (Mandaya ca. 13%, Kalagan ca. 7%) bestehen auch starke muslimische/malayische/indische/arabische Einflüsse (lokal genannt: Maranaos/Moros). Das Zusammenleben mit den Muslimen ist in diesem Teil Mindanaos überwiegend friedlich. Dagegen ist die New People’s Army (NPA), eine kommunistische Guerillagruppe bei der ausgebeuteten, armen Landbevölkerung sehr präsent, wie überall, wo die arme Landbevölkerung besonders von wenigen reichen Großgrundbesitzer*innen, Bergbauunternehmen oder Industriellen ausgebeutet wird.
Die Bewohner*innen von Davao Oriental leben v.a. von der Landwirtschaft in kleinen Farmen als Selbstversorger*innen oder als Landarbeiter*innen bei Großplantagen, v.a. mit Bananen, Ananas und Kokusnüssen bzw. als Fischer. Es gibt etwas Kupfer-Bergbau und Holzeinschlag in den Wäldern mit allen Folgen. China ist ein wichtiger, nicht uneigennütziger Partner bei Infrastrukturprojekten und bei Biotreibstoffen. Landschaftlich ist es eine sehr schöne und vom Tourismus bisher wenig berührte Region. Es kommen v.a. einheimische Tourist*innen aus Davao-City. Im Osten ist die wilde Pazifikküste – bei (einheimischen) Surfer*innen beliebt (Dahican Beach) im Süden die friedliche Pujada Bay. Das Naturschutzgebiet Mt. Hamiguitan ist berühmt für seinen großen Artenreichtum.
Mati-City ist derzeit nicht mehr per Fähre oder Flugzeug zu erreichen. Der Fährverkehr nach Davao wurde eingestellt. Ein Flughafen ist vorhanden, wegen eines Korruptionsskandals ist er jedoch für die Öffentlichkeit noch nicht zugängig. Daher gibt es derzeit nur eine Fernanbindung per Bus und Minibus. Kürzere Strecken zu Nachbargemeinden können mit einem Jeepney angetreten werden. „Öffentlicher Personennahverkehr“ erfolgt überwiegend mit motorisierten Dreiradtaxis und Leichtmotorrädern. Davao-City, als nächstgrößeren Metropole für Handel, Bildung, Verwaltung, größere Gesundheitsprobleme ist in 5 Autostunden mit Fahrt durch 4 Provinzen erreichbar. Diese Straße wie viele Hauptstraßen/Highways in Mindanao werden von unzähligen Baustellen unterbrochen, teils um aus der 2-spurigen eine 4-spurige Straßen zu machen.
Durch die lange Ostküste besteht eine starke Exposition zum Nordostmonsum und damit einer Gefährdung durch Taifune v.a. von September bis Januar. Dazwischen kann es auch zu längeren Trockenperioden kommen, was schon im Namen: maati = „schnell vertrocknet“ abzulesen ist. Auch am Wegesrand und in Stadt Mati-City sind viele Baustellen und Bauvorhaben: Gebäude, Brücken.
In Mati-City stehen überwiegend Stein-und Zementbauten mit überwiegend chaotischer Stromversorgung sowie Wasseranschluss. Außerhalb der Stadt wohnen die Menschen meist in Holz- und Bambushütten. Wie in den Stelzenhütten der Fischer am Meer gibt es oft keinen kein Wasser- und Stromanschluss.
Das Don Bosco Training Center (DBTC) in Mati-City wurde 1992-93 als erstes und bisher einziges Zentrum in Mindanao gegründet. Auf dem großen Gelände mit den ausbildungsbedingten großen landwirtschaftlichen Lehr- und Nutzflächen gibt es neben Schul-, Werk- und Verwaltungsgebäuden etliche landwirtschaftliche Gebäude, Ställe und Gewächshäuser, die auch von den Jugendlichen kleingewerblich etwa durch den Verkauf von Gemüse oder Eiern genutzt werden können und somit auch deren Eigenengagement und Selbstbewusstsein stärken. Es gibt eine Gemeindekirche für Mati-Dahican sowie zwei Internatsgebäude für Jungen und eines für Mädchen mit insgesamt 120 Betten. Ein weiteres Gemeindegebäude wird regelmäßig für die zusätzliche Unterkunft von Jugendlichen genutzt. Hinzu kommen diverse Sportstätten und innovative Bauten für Unterricht und Freizeitgestaltung auf Gelände, z.B. aus Treibholz. Viele Arbeiten und der Aufbau von Gebäuden erfolgten durch Patres und Jugendlichen als Teil des Unterrichts, bzw. als Praktikum in den jeweiligen Fächern. Außerdem steht hier noch das Wohn- und Gästehaus der Salesianer. Bei allen Bauten wurde auf eine ökologisch und klimaverträgliche Energieversorgung geachtet; so liefert z.B. die Biogasgewinnung aus der Viehzucht die Energie zum Kochen. Zur Bewässerung in der Landwirtschaft wird Regenwasser in Zisternen gesammelt. Diverse Materialien werden recycelt.
Jugendliche können in 12-18 Monaten (6-12 Monate Theorie + 6 Monate Praxis) in Automechanik, Maschinenbau, organischer Landwirtschaft, Schweißen und Kleinmotorenschlosserei ausgebildet werden.
Für besonders begabte Jugendliche besteht die Möglichkeit in kürzerer Zeit von 2-3 Monaten ein zweites Fach zu erlernen, was meist in den Ferien zwischen den Kursen erfolgt. Für die neu eingeführte Schulpflicht im 11. und 12. Schuljahr („Senior Highschool“), wird mit den Highschools der Region zusammengearbeitet.
Die Jugendlichen kommen zu etwa drei Vierteln aus Davao Oriental und zu einem Viertel aus umliegenden Provinzen: Compostela Valley, Davao del Norte, Davao del Sur, Surigao und Bukidnon, wenige aus West-Mindanao und den Visayas.
Mati-City wurde von uns als Partner ausgesucht, um gezielt die Perspektiven für die Menschen auf dem Land zu erhöhen und der Landflucht und Urbanisierung mit all ihren Folgen entgegenzuwirken, die das Leben in Slums und am Rande der Gesellschaft mit Entwurzelung der Familien und Entfremdung von langzeitigen Traditionen mit sich bringen. Mati-City hat ein sehr großes Einzugsgebiet und ist für viele Jugendliche im Südosten Mindanaos alternativlos. Die besonders benachteiligte indigene Bevölkerung wird durch GGAP e.V. vorrangig für ein Stipendium unterstützt.
GGAP e.V. bzw. die Vorgängerorganisation Partnerschaft für gerechte Bildung unterstützt hier die Ausbildung von Jugendlichen seit Juni 2016.
Seitdem wurden in Mati mehr als 700 junge Frauen und Männer gefördert.









